| Michel
Houellebecq: Die Möglichkeit
einer
Insel |
Mischung
aus Science Fiction und harter Reality
Satire. Absolut lesenswert. Eine Bereicherung
für alle, die ein bisschen was über
die Zukunft erfahren wollen, wie sie durchaus
eintreffen kann, wenn alles, was der Mensch
erfinden kann, Realität wird. Speziell
interessant die Möglichkeit der geklonten
Wesen und ihres Daseins in einem immerwährenden
Nirwana. Keine Gefühle mehr, kein
Leid, aber auch keine Liebe, völlig
"detached" von der Realität
und bestens aufgehoben hinter einem elektrischen
Zaun, der ihre Gebiete abschirmt von der
Aussenwelt. Denn ausserhalb dieses sicheren
Geländes hausen die Neo-Menschen,
die Naturkatastrophen und Atomkriege auf
den Stand von steinzeitlichen Geschöpfen
zurückgeworfen haben. Teilweise sogar
spannend, wie immer bei Houellebecq bevölkert
von schönen Menschen, die vor allem
sexuell äusserst aktiv sind. Spannend
der Aufbau und der Wechsel der Kapitel
zwischen dem Helden der Jetztzeit und
seinen geklonten Nachkommen in der 25.
Generation und deren Sicht der heutigen
Zeit. Eine enorme gedankliche Leistung! |
| Tom
Wolfe: I am Charlotte Simmons |
Der
Grossmeister der amerikanischen Literatur
hat nach "Dem Fegefeuer der Eitelkeit"
ein zweites Meisterwerk vorgelegt. Diesmal
hat sich Wolfe die amerikanischen Eliteuniversitäten
zum Schauplatz der menschlichen Komödie
ausgesucht und ist fündig geworden.
Es gibt sie noch, die Giganten der Literatur.
Die Reihe der grossen Schriftsteller wie
Tolstoj, Dostojewski, Balzac, Fklaubert,
Dickens, France, Zola, Steinbeck ist nicht
zu Ende. Hervorragende Erzählkunst
gepaart mit einer unmissverständlichen
Botschaft an den Leser wird weiter getragen.
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| Hermann
Hesse: Steppenwolf |
Erstaunlich,
dass Hesse immer noch fasziniert - und
immer noch junge Leser findet, die sich
in seiner Welt zurecht finden und wohlfühlen.
Ein gutes Zeichen und ein Merkmal dafür,
dass Gedanken über die Geworfenheit
des Menschen, über Einsamkeit, Phantasie
und Lustempfinden immer aktuell sind.
|
| W.
Somerset Maugham: The Narrow Corner |
Maugham
ist zwar als Zyniker verschrien, aber
in punkto Menschenkenntnis und Beschreibung
von den Narreteien braver Bürger
aber auch missglückten Existenzen
ist er nach wie vor unübertroffen.
|
| W.
Somerset Maugham: The Razors Edge |
Der
Fall vom gefeierten amerikanischen Millionär
durch Fehlspekulationen an der Börse
wirkt lähmend auf einige und beflügelt
andere, die jetzt gefordert sind. Dieser
Roman gibt Maugham eine gute Gelegenheit
seine Einsichten in den Buddhismus und
die falsche Zufriedenheit und Geborgenheit,
die Reichtum und Ansehen verströmen,
darzulegen. |
| W.
Somerset Maugham: The Casuarina Tree |
Wer
Maugham's menschliche Komödie noch
nicht kennt sollte mit diesen Shortstories
anfangen. Jede für sich ein Meisterwerk! |
| Gustav
Strindberg: En dåres försvarstal |
"Das
Plädoyer eines Irren" ist vielleicht
nicht Strindbergs bekanntestes Werk, aber
eines seiner faszinierendsten. Ausserdem
gibt es dem Leser Gelegenheit, darüber
nachzudenken, wie sehr unglückliche
Liebe auch die Besten von uns nicht davor
verschont, verrückt zu werden. |
| Die
Bibel der Gideoniten |
Jeder
der einmal in einer fremden Stadt, in
einem fremden Land, in einem fremden Hotelzimmer,
übernachtet hat, und sich unglücklich,
verlassen und erfolglos gefühlt hat,
sei ein Griff in die Schublade des Nachtkästchens
empfohlen. Der Vorteil dieser Bibel: es
gibt eine Übersucht über wunderschöne
Stellen aus der Bibel und dem Alten Testament,
die zu jedem menschlichen Gefühl
passen: Zur Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit
ebenso wie zur -Kuriosität am Rande
- Fruchtbarkeit! |
| Voltaire:
Candide
|
Wir
leben trotz allem in der besten aller
möglichen Welten. Diese Anleihe
bei der Philosphie Leibniz' wird Candide
nicht müde zu wiederholen, trotzdem
ihm auf seinen Lebenswegen die schlimmsten
Unbillen widerfahren. Herrlich zu lesen
und - ja, man merkt plötzlich,
dass sich auch die schlimmsten Einfälle
die das Schicksal für den Menschen
bereithalten kann, mit der richtigen
Portion Humor und Optimismus durchaus
ertragen lassen. |
| Jack
London: Goldgräbergeschichten |
Auch
Jack London erweist sich gleich in der
ersten dieser Kurzgeschichten als Meister
im Versprühen von Optimismus, wenn
er den unbändigen Überlebenswillen
der amerikanischen Goldgräber anhand
eines 75 Jährigen beschreibt, der
die Unbillen von Kälte, Eis und Entbehrungen
mit unverwüstlichem Humor und Glaube
an die Zukunft auf sich nimmt und weit
Jüngere nicht nur überlebt sondern
letztendlich auch besiegt. |
| Nikolaj
Tolstoy: Krieg und Frieden |
Monumentale
Geschichte, immer wieder kurzweilig zu
lesen. Das Buch für alle, die einsam
auf einer Insel gestrandet sind. |
| John
Steinbeck: The Grapes of Wrath |
Gesellschaftskritik
auf höchstem Niveau, erzählt
von einem Meister des realistischen Romans.
Familiendrama von Menschen, die auszogen,sich
gegen ihr aussichtsloses Schicksal zu
wehren. Hart und gnadenlos, gemildert
nur durch die menschliche Wärme,
die immer wieder durchkommt und wohltätig
zu spüren ist. |
Jack
Kerouac: On the Road
Jack
Kerouac: Gammler, Zen und Hohe Berge
|
Zeitlose
Roadmovies, als Menschen noch nach einem
Sinn in ihrem Sein suchten und sich nicht
mit Geld als alleinigem Erklärungsgrund
zufrieden gegeben haben. Gute Mischung
aus Lagerfeuerromantik, Sozialkritik,
menschlicher Wärme und buddhistischer
Grundüberzeugung. Schade, dass Kerouac
an seinen hohen Ansprüchen zerbrochen
ist. |
|
Otmar
Hemse: Zur Rah fuhr auf ein roter Schild |
Kein
Wunder, dass dieser Roman aus der Römerzeit
ein grosser Erfolg in der Zwischenkriegszeit
wurde. Er enthält alles, was man
damals noch hochhielt: Ehre, Glaube, Liebe,
Treue, Mut und Vertrauen. Werte, die heute
in Vergessenheit geraten sind. Gute Gelegenheit,
sich wieder einmal mit diesen urmenschlichen
Werten auseinanderzusetzen. |
| Robert
Nozick: Anarchy, State and Utopia
|
Nozick
hat diesees wissenschaftliche Werk,
in dem er den Nachtwächterstaat
hochleben lässt, in den Siebzigerjahren
geschrieben, als noch keiner von Lieberalismus
und Globalisierung geredet hat. Mit
M. Friedman einer der wichtigsten Vorläufer
der wohltuenden Folgen des freien Marktes.
Geisselt sehr schön alles Zuviel
an Staat und die wohlmeinenden aber
immer fehlschlagenden Effekte der Übertreibungen
der Gutmenschen. |
| Carl
von Linné: Nemesis Divina |
In
diesem Buch hat einer der berühmtesten
und wichtigsten Naturwissenschaftler aller
Zeiten seine Erlebnisse und Gedanken festgehalten,
die nicht nur nichts mit seiner Spezialitä,
der Einteilung der Pflanzen, zu tun hatten,
sondern sich mit so unwissenschaftlichen
Dingen wie der göttlichen Rache,
die alle Verbrechen zur Sühne bringt,
zu tun hat. Erstaunliches hat der Blumenkönig
hier zusammengetragen und tragisch ist
es, wie die Nemesis niemanden seine Verbrechen
und Untaten vergessen lässt. Auch
wenn es oft mehrere Jahre dauert bis die
göttliche Gerechtigkeit eine Untat
rächt. Spannend und erschütternd
in hervorragender Übersetzung von
Wolf Leppenies. |
| Clifford
Irving: The Spring |
Euthanasie
im Paradies, so könnte man den Inhalt
dieses Buches umschreiben, in dem die
Bewohner eines Dorfes zurch Zufall auf
die übernatürlichen, lebenverlängernden
Eigenschaften des Wassers in einer Quelle
aufmerksam geworden sind und von jedem,
der dieses Wasser nützen möchte,
um sich ein gesundes Leben zu verschaffen,
einen Schwur abverlangen: mit 100 Jahren
wird dieser Mensch im Rahmen eines Abschiedsfestes
mittels einer Spritze schmerzlos aus diesem
Leben ins Nächstse befördert
werden. Natürlich gibt es Menschen,
die diesem Schicksal entkommen wollen.
Spannend und ungewöhnlich, und nicht
zuletzt durchaus einige Gedanken wert.
|
| Carl
von Linné: Lappländische Reise |
Dies
ist ein echter Linné wie ihn
jeder SChwedenfan liebt. Authentisch,
echt, erzählt er humorvoll ind
interessant von seiner Reise in den
damals (17. Jhd.) noch völlig unerforschten
Norden Schwedens. Pflicht für jeden
Nordlandfahrer - amüsant zu lesen
in der unnachahmlichen Übersetzung
von H.C. Artmann. |
| Heinrich
Böll: Ansichten eines Clowns |
Wie
war das damals im Wirtschaftswunderland?
Ach was, damals hat es auch schon
Menschen gegeben, die lieber Wärme
und Liebe gehabt haben als Geld und Geldeswert?
Und die an diesen banalen Wünschen
zerbrochen sind? Eines der besten Bücher
des deutschen Nobelpreisträgers.
Heute wieder aktuell, wenn sich die Clowns
nicht nur auf der Bühne kaum ihrer
Traurigkeit erwehren können. |
| Johannes
Mario Simmel: Es muss nicht immer Kaviar
sein |
Kaum
zu glauben, aber Simmel war einmal der
Erfolgsautor Deutschlands. Heute ist
er in Vergessenheit geraten, was eigentlich
schade ist, denn die Geschichte die
in diesem Buch erzählt wird, ist
aktuell wie nie. |
| Bernard
de Mandeville: Die Bienenfabel
|
Private
Vices, public benefits, das war die
Formel, nach der Mandeville die Menschen
beurteilt hat. Ein früher Neoliberaler
oder einfach ein Realist, der die Menschen
durchschaut hat? Selber lesen und
eigene Meinung bilden. |
| Bernhard
Nordh: I Marsfjällets skugga |
Ein
schwedischer Heimatroman, der es in sich
hat. Kein anderer hat das harte Leben
der schwedischen Siedler, die sich im
kargen Norden niedergelassen haben und
hier in stetem Kampf der Erde das Notwendigste
zum Leben abgerungen haben, geschildert
wie Bernhard Nordh. Er schreibt wie die
Natur im Norden ist: Markig, zäh
und dennoch immer wieder befriedigend.
Ein Buch, das Mut gibt, trotzdem weiterzuleben! |
| Anatole
France: Drottning Gåsfot |
Drottning
Gåsfot ist der Name des Gasthofs,
in den sich der Protagonist dieses Schelmenromans
immer wieder zurückzieht, wenn
ihm das Wasser bis zum Hals steht. Dieser
Roman hat Anatole France berühmt
gemacht, obwohl er sich den Nobelpreis
durchaus mit ernsten Dingen wie dem
Buch "Under almarna" erschrieben
hatte. Ein kluger Mann, der gescheite
und amüsante Bücher verfasst
hat. |
Albert
Camus: Der Mythos des Sysiphos
|
Camus
zeigt uns, wie nahezu schwerelos das Schicksal
des Sysiphos mit der richtigen Grundeinstellung
zu ertragen ist. |
| Bertrand
Russel: History of Western Philosophy |
Bertrand
Russel macht es mit diesem Buch jedem
leicht, der sich für die grossen
Denkschulen und Philosophen, die unsere
Zeit mit ihren Gedanken geformt haben,
interessiert, sich ausführlich darüber
zu informieren. Allerdings - wie wichtig
vieles von dem wirklich wichtig ist, das
bleibt wohl jedem einzelnen überlassen,
herauszufinden. |
| Gilbert
Ryle: The Concept of Mind |
Hier
geht es um den Begriff des Geistes. Gilbert
Ryle legt überzeugend und allein
mit Hilfe der Logik dar, welcher Kategorienverwechslung
sich die Menschheit seit dem verhängnisvollen
Fehlgriff Descartes' befleissigt hat,
der zum ersten Mal zwischen Geist und
Körper unterschieden hat, als er
sagte: Cogito ergo sum. Immerhin hat es
Descartes mit seinem Bonmot allen Globetrottern
leicht gemacht: Ubi cogito, ibi sum :-)) |
|
Robert
Stevenson: Die Schatzinsel
|
Bei
diesem Buch gilt es, die richtige Übersetzung
zu erwischen. Dann ist dieser Roman eine
wahre Fundgrube eines grossen Erzählers
und Romnaciers und nicht nur ein Kinder-
und Jugendbuch, obwohl es als solches
nach wie vor unübertroffen ist. |
| Charles
Dickens: Oliver Twist
|
Eigentlich
ist hier jeder Kommentar überflüssig.
In die Hand nehmen, aufschlagen, lesen
und geniessen. |
| Richard
Ford: Rock Springs |
Dieser
Mann ist einer der bekanntesten Schridtsteller
des Neuen Amerika und bei uns in Europa
weiss kaum jemand mit diesem Namen etwas
anzufangen. eine gute Einführung
in sein Werk bilden diese Kurzgeschichten.
Sie handeln von einfachen, banalen Menschen,
deren einfache, banale Schicksale gerade
deswegen so gut nachvollziehbar werden,
weil sie eben jedem von uns passieren
können. Und wie würden wir wohl
reagieren? |
| Richard
Ford: A Piece of my Heart |
Wer
nach der Lektüre der Kurzgeschichten
mehr lesen will, ist hier richtig. Ein
wunderbares Buch, vor allem die unendlich
humorvolle und humane Schilderung des
alten Mannes mit seinen Schrullen ist
köstlich und gerade durch ihre naive
Lebensnähe so unterhaltend. Amerikanische
Literatur, wenn sie am besten ist.
|
|
Hermann
Hesse: Knulp
|
Knulp
ist sicher eine der menschlichsten Figuren
Hesses, und man ist sich nie ganz sicher,
ob Knulp nicht doch das Leben von allen
am besten meistert, auch wenn er wie ein
bettelnder Vagabund durch die Dörfer
zieht und sich seine eigenen Gedanken
reimt, wenn ihm die junge hübsche
Frau seines Jugendfreundes schöne
Augen macht. Auf dieses häusliche
Glück kann er leicht verzichten denkt
er und sucht sich seinen Spass lieber
bei den jungen Mädchen auf der Kirchweih
- ganz ehrbar, versteht sich, Knulp ist
schliesslich ein Kavalier. Viel Weisheit
steht auf diesen Seiten - leicht zu lesen
und leicht zu verstehen und doch ein echter
Hesse. Hintergründig, gescheit und
stilistisch hervorragend. |
|
Brett
Easton Ellis: Less than Zero
|
Soll
man froh sein, dass die Zeit dieser jungen
Menschen, die hier so schön und sinnlos
ihre jungen Jahre verbringen, vorbei zu
sein scheint, oder soll man ihrer Sorglosigkeit
eine geheime Träne nachweinen? Wer
die schöne Zeit der Achtzigerjahre
und die IT-Blase erlebt und genossen hat,
der wird sichmit Wehmut daran erinnern.
Wer sie nicht erlebt oder darunter gelitten
hat, wird froh sein, dass diese Zeit vorüber
ist. Dennoch - American Psycho beschreibt
dieselben Leute nur etwas älter und
abgeklärter und grausamer in ihrem
Wahn Masters of the Universe
zu sein, die in ihren Armani Anzügen
von einem In Lokal ins nächste wanken
und wo sich alles nur um Äusserlichkeiten
dreht. Bis schliesslich die Kokainexzesse
zu Grausamkeiten führen, die in dieser
Form kaum sonst zu lesen sind. Passt zu
Madonnas Eroticaalbum. |
| B.
Traven: Das Totenschiff |
Merkwürdig,
dass bis heute keiner weiss, welcher Nationalität
B. Traven wirklich angehört hat.
Eines dürfte dafür sicher sein:
Sein Herz schlug für die Armen, Unterdrückten,
Unglücklichen, Heimatlosen und Verfolgten
jeglicher Couleur und jedweder Rasse.
Totenschiffe gibt es immer und überall,
ob sie jetzt auf dem Wasser schwimmen
oder als Asylantenheime getarnt sind.
Die Szene in der der Protagonist dem amerikanischen
Konsularbeamten gegenübersitzt, ist
an Beobachterschärfe, Tragik, schwarzem
Humor und menschlicher Wärme in der
Literatur unübertroffen. |
| Ernest
Hemingway: Islands
in the Stream |
Sicher
nicht das bekannteste Buch Heminways,
vielleicht nicht das Beste, aber sicher
das Ergreifendste. Zumindest wenn man
Kinder hat und diese nur in den Ferien
sieht und ihnen trotzdem nur das Beste
wünscht. Kann sich überhaupt
jemand vorstellen, wie es ist, seine Kinder
durch ein tragisches Unglück zu verlieren?
Hemingway beschreibt vieles in diesem
Buch - das meiste davon ist menschlich
fast nicht mehr auszuhalten und doch muss
jeder Mensch mit seinem Schicksal leben
und weiterleben. Denn kneifen gilt nicht
- dieser Maxime hat Papa bis an sein Lebensende
gehuldigt - und ist dann doch schwach
geworden und hat erst zum Schluss aufgegeben.
|
| Scott
Fitzgerald: The Great Gatsby |
Glanzvoll
scheitern. Das kann nicht jeder. Gatsby
scheiterte mit Bravour. Fitzgerald sei
Dank. |
Edward
Gibbon: The Decline and Fall of the Roman
empire
|
Der Grossmeister der Geschichtsschreibung
gibt sich die Ehre. Kein römischer
Kaiser und sei er noch so grausam und/oder
unbedeutend entgeht hier seinem Schicksal.
Seine Untaten oder seine Bedeutungslosgkeit
werden erbarmungslos der Nachwelt überliefert.
1000 Seiten Schicksale wie sie dem Leser
egaler nicht sein könnten - und trotzdem
faszinierender Lesestoff. |
Evelyn
Waugh: Brideshead Revisited |
Et
in Arcadia Ego. Der erste Teil dieses
Romans handelt von einer Zeit, die wohl
endgültig vergangen ist: die englische
Eliteuniversität zu Anfang des
vorigen Jahrhunderts. Auch er ist in
Arkadien gewesen und beschreibt diese
herrlich sorglose Jugend wie sie nur
wenigen vorbehalten war, so dass man
sich fragt, wie es kommt, dass diese
Unbeschwertheit heute einfach nicht
mehr vorzufinden ist. Nirgends. Nur
in alten Büchern und Liedern hört
man noch von der Jugend der Welt. |
| Jean
Jaques Rousseau: Erster Diskurs über
die Ungleichheit |
Wer
als erster ein Grundstück eingezäunt
hat und gesagt hat das ist mein, hat den
Abstieg der Menschen eingeleitet. Mit
diesen Worten schrieb sich Rousseau seinen
ganzen Frust von der Seele und tat dies
wahrscheinlich stellvertretend für
Millionen von Menschen, die vor ihm und
nach ihm unter dem Joch der Notwendigkeit
und der Peitsche des Sklavenhalters oder
des Vorarbeiters gestöhnt haben.
Das Goldene Zeitalter war für Rousseau
die graue Vorzeit, als es keine Unterschiede
bei den Menschen gab und wenn wir jemals
wieder ein halbwegs annehmbares Leben
erfinden wollen, so ist dies nur dann
möglich, wenn alle Kinder wie Emile
oder Sofie erzogen werden und wenn die
Welt von Menschen bevölkert wird,
wie sie in seiner neuen Heloise beschrieben
sind. Ein Träumer? Ein Menschenverführer?
Wahrscheinlich auch und noch viel mehr.
Ein faszinierender Denker, der wie wenige
andere es verstanden hat sich und seine
Sache publik zu machen. Ehrlich war er
ausserdem, denn seine Bekenntnisse geben
Zeugnis von einem Menschen wie er sich
nackt und bloss dem Urteil der Welt ausliefert.
Ohne Rousseau wäre die Menschheit
arm. |
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